Deutschland: Arbeiten verboten, Asyl erlaubt? Wie ein Rückkehrer am System scheitert
Deutschland: Arbeiten verboten, Asyl erlaubt? Wie ein Rückkehrer am System scheitert
Ein Mann, in Köln aufgewachsen und heute im Iran beschäftigt, möchte zurück nach Deutschland – doch zwischen Arbeitsvisum, Ausbildungspflicht und Chancenkarte bleibt ihm am Ende nur der Weg über den Asylantrag.
Der Fall von Ali (Name geändert) zeigt exemplarisch, wie widersprüchlich das deutsche Einwanderungssystem in der Praxis wirken kann. Ali ist in Köln aufgewachsen, ging hier zur Schule, spricht fließend Deutsch. Als seine Familie zurück in den Iran zog, musste er mit. Heute arbeitet er dort in einem Autohaus und möchte in das Land zurückkehren, das sich für ihn mehr als jede andere Station seines Lebens wie Heimat anfühlt. Doch an der Einreise scheitert er – nicht an mangelnder Motivation, sondern an formalen Hürden.
Zwischen zwei Welten – und ohne passenden Paragrafen
Für ein reguläres Arbeitsvisum fehlen Ali die formalen Voraussetzungen: Er hat keine anerkannte Berufsausbildung, die sich eindeutig in das deutsche System übertragen lässt. Für ein Visum zur Aufnahme einer Ausbildung wiederum werden Nachweise verlangt, die er aus seinem bisherigen Lebenslauf und der Situation vor Ort nur schwer beibringen kann. Auch die sogenannte Chancenkarte, die auf einem Punktesystem beruht, bleibt ihm nach derzeitiger Bewertung verwehrt – es fehlen formale Qualifikationspunkte, nicht reale Fähigkeiten.
Das Ergebnis: Ein Mann, der Deutsch spricht, Deutschland kennt und arbeiten möchte, findet in den bestehenden Kategorien keinen Platz. „Übrig bleibt am Ende nur der Asylantrag – obwohl es ihm gar nicht primär um Schutz geht, sondern darum, legal zu arbeiten und ein eigenständiges Leben zu führen“, fasst ein Beteiligter den Fall zusammen. Für Betroffene bedeutet dies oft Jahre der Unsicherheit, in denen sie entweder gar nicht einreisen können oder – im Fall eines Schutzstatus – zunächst nur eingeschränkt arbeiten dürfen.
„Wenn du arbeiten willst, kommst du nicht rein“ – Sicht eines Fachkräftevermittlers
Tobias Frese erlebt solche Konstellationen nach eigenen Angaben regelmäßig. Er unterstützt mit seiner Firma Betriebe, Praxen und Kliniken bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte. „Das System sagt Menschen wie Ali: Wenn du arbeiten willst, kommst du nicht rein. Wenn du Schutz suchst, darfst du kommen – aber nicht arbeiten. Das passt einfach nicht mehr zur Realität“, kritisiert Frese.
Aus seiner Sicht prallen hier zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite ein akuter Fachkräftemangel, etwa in Physiotherapiepraxen und anderen Gesundheitsberufen, auf der anderen Seite hochkomplexe und streng segmentierte Regelwerke, die Lebensläufe jenseits der klassischen Muster kaum abbilden. „Viele unserer Kandidatinnen und Kandidaten bringen Berufserfahrung, Sprachkenntnisse und hohe Motivation mit – scheitern aber an Formalitäten, die in der Praxis oft wenig mit ihrer tatsächlichen Eignung zu tun haben“, berichtet Frese.
Strenge Regeln, hohe Hürden – und viel Bürokratie
Das deutsche Einwanderungsrecht soll Transparenz schaffen und Zuwanderung steuern. In der Realität führt die starke Orientierung an formalen Abschlüssen und starren Kategorien jedoch immer wieder zu Fällen wie dem von Ali. Menschen mit biografischen Brüchen, längeren Auslandsaufenthalten oder nicht eindeutig zuordenbaren Qualifikationen finden sich häufig „zwischen allen Stühlen“ wieder: zu qualifiziert, um als ungeschult zu gelten, aber formal nicht passend für definierte Fachkräfte-Schienen.
Hinzu kommt der erhebliche Verwaltungsaufwand. Betriebe müssen Unterlagen sammeln, Anerkennungsverfahren anstoßen, Sprachzertifikate nachweisen und oft monatelange Bearbeitungszeiten überbrücken. Für kleine und mittlere Unternehmen ist das laut Frese häufig nur mit externer Unterstützung zu stemmen. „Viele geben irgendwann entnervt auf – und damit gehen potenzielle Fachkräfte verloren, obwohl sie dringend gebraucht würden“, sagt er.
Wie Reformen Menschen wie Ali helfen könnten
In einem Interview oder Gastbeitrag möchte Frese anhand von Fällen wie Ali aufzeigen, an welchen Stellen das System aus seiner Sicht blockiert – und welche Reformansätze er für sinnvoll hält. Dazu zählen etwa klarere und praxisnähere Kriterien für Berufserfahrung, mehr Spielräume für Menschen mit Herkunftsbezug zu Deutschland oder eine stärkere Entkoppelung von Schutz- und Erwerbsperspektiven.
Wichtig ist ihm dabei auch die Differenzierung: Es gehe nicht darum, Schutzsuchende gegen arbeitswillige Zuwanderer auszuspielen. Vielmehr solle das System so weiterentwickelt werden, dass Menschen, die Verantwortung übernehmen, Steuern zahlen und sich langfristig integrieren möchten, eine realistische und transparente Chance erhalten – ohne den Umweg über ein Asylverfahren, das eigentlich anderen Zwecken dient.
Über Tobias Frese
Tobias Frese ist Gründer und Geschäftsführer der Frese Recruiting GmbH, einer spezialisierten Personalagentur, die Physiotherapiepraxen und andere Einrichtungen im Gesundheitswesen mit qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland zusammenbringt. Um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen, übernimmt sein Team nach eigenen Angaben den gesamten Prozess: von der Kandidatensuche über Anerkennungs- und Visaverfahren bis hin zur Begleitung bei der Integration am neuen Arbeitsplatz.
Weitere Informationen finden sich unter https://www.frese-recruiting.de/.
Jeder Einwanderungsfall ist rechtlich und persönlich einzigartig. Allgemeine Darstellungen – wie im Beispiel von Ali – können typische Problemlagen aufzeigen, ersetzen aber keine individuelle Rechtsberatung. Wer selbst überlegt, nach Deutschland zu kommen oder eine Fachkraft aus dem Ausland einzustellen, sollte sich frühzeitig an spezialisierte Beratungsstellen, qualifizierte Fachkräftevermittler oder eine auf Migrationsrecht spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei wenden. So lassen sich Chancen, Risiken und passende Aufenthaltstitel im konkreten Einzelfall besser einschätzen.
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