Ludwigshafen: Weltmarktführer Vögele blickt auf 15 Jahre Wachstum am Rhein
Vom Umzug aus Mannheim bis zur globalen Spitzenposition: Der Straßenbaumaschinen-Hersteller Vögele hat sein Stammwerk in Ludwigshafen konsequent ausgebaut – und setzt auf Export, Innovation und Fachkräfte.
Wer auf Baustellen in Deutschland oder Europa einen Straßenfertiger sieht, blickt mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Maschine von Vögele. Der traditionsreiche Hersteller ist seit 15 Jahren in Ludwigshafen beheimatet – und hat sich dort zu einem globalen Schwergewicht im Straßenbau entwickelt.
Vom Neckarauer Übergang nach Rheingönheim
Der Umzug aus Mannheim war eine Frage des Wachstums. Die frühere Fläche am Neckarauer Übergang reichte für das expandierende Unternehmen nicht mehr aus. In Ludwigshafen-Rheingönheim fand Vögele den nötigen Raum: Das Werksgelände umfasst heute rund 370.000 Quadratmeter und wurde über Jahre hinweg kontinuierlich erweitert – unter anderem um eine Prototypen-Montage und eine moderne Fertigwarenhalle. Seit 2010 investierte das Unternehmen rund 21 Millionen Euro in Gebäude, Außenflächen und Stellplätze. Weitere 35 Millionen Euro flossen in neue Werkzeugmaschinen. In Ludwigshafen arbeiten aktuell etwa 1.300 Menschen für Vögele, darunter rund 300 Zeitarbeiter – ein Zeichen für die hohe Auslastung des Stammwerks.
Europa stabil, Wachstumsmärkte weltweit
Der wichtigste Absatzmarkt bleibt Europa. Deutschland entwickelt sich dabei stabil, erklärt Geschäftsführer Michael Kulok, der das Unternehmen seit rund einem Jahr führt und den langjährigen Chef Christian Pawlik abgelöst hat. Deutliches Wachstum erwartet Vögele vor allem in Brasilien, China und Indien. Gerade dort treibt der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur die Nachfrage an: In vielen Regionen außerhalb der Metropolen sind Schotterstraßen noch Alltag, was den Transport landwirtschaftlicher Güter erschwert. Massive staatliche Investitionen sollen das ändern. Rund 80 Prozent der in Ludwigshafen gefertigten Maschinen gehen ins Ausland. Dank Gleisanschluss werden sie per Güterzug nach Bremerhaven transportiert und von dort aus in alle Welt verschifft.
Teil der Wirtgen Group – verbunden mit John Deere
Bereits seit Ende der 1990er Jahre gehört Vögele zur Wirtgen Group aus Windhagen, die wiederum Teil des US-Konzerns John Deere ist. Von dort bezieht Vögele einen Großteil seiner Motoren. Auch bei Zukunftsthemen wird eng kooperiert: etwa bei der Digitalisierung, der Entwicklung autonom fahrender Straßenfertiger oder bei vollelektrischen Modellen. Besonders in Skandinavien steigt die Nachfrage nach emissionsfreien Maschinen spürbar. Nach Stückzahlen war Vögele im Jahr 2024 mit großem Abstand Weltmarktführer vor Caterpillar (USA), XCMG (China) und Fayat (Frankreich). Konkrete Zahlen zu Umsatz und Gewinn nennt das Unternehmen nicht.
Produktion nach Kundenwunsch – bis zu 1.900 Maschinen pro Jahr
Gefertigt wird überwiegend auf Bestellung. Zwischen März und Juni läuft die Produktion auf Hochtouren. Im Stammwerk entstehen jährlich zwischen 1.400 und 1.900 Straßenfertiger. Besonders gefragt ist das Modell „Super 1800/5 X“ aus der „Universal Class“ – 2,55 Meter breit, vielseitig einsetzbar, vom Ortskern bis zur Autobahn. Auch Individualität spielt eine Rolle. Während in Deutschland nahezu alle Farben vertreten sind, bevorzugen Kunden in der Türkei meist Grün. Produktionsleiter Christoph Niehaus erinnert sich sogar an einen pink lackierten Straßenfertiger und an eine Sonderlackierung im Stil des Mercedes-Silberpfeils. „Wie beim Auto“, sagt Niehaus. „Der Kunde wählt das Modell und stellt sich seine Extras zusammen.“ Im Rohmateriallager lagern rund 170 verschiedene Materialien für die Produktion der Einbaubohlen. Jährlich werden etwa 9.000 Tonnen Stahlblech, 230 Kilometer Profilstahl und 130 Kilometer Rohre angeliefert. Gearbeitet wird im Dreischichtbetrieb von Sonntagabend bis Freitagabend.
Ausbildung, Digitalisierung und Fachkräftebedarf
Vögele sucht kontinuierlich Personal. Derzeit sind rund 20 Stellen ausgeschrieben – vom KI-Ingenieur über Logistikfachkräfte bis zum Pulverlackierer. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in den Nachwuchs: 70 junge Menschen absolvieren aktuell eine Ausbildung. Das firmeneigene Ausbildungszentrum ist 800 Quadratmeter groß. Digitale Lernformen gewinnen an Bedeutung: Alle Auszubildenden erhalten zu Beginn ein iPad und Zugang zu einer E-Learning-Plattform mit Videos, Animationen und vernetzten Lerngruppen.
Solider Ausblick dank Infrastrukturbedarf
Impulse erhofft sich Vögele auch von geplanten Milliardeninvestitionen der Bundesregierung in den Straßenausbau. Unabhängig davon zeigt sich Geschäftsführer Kulok zuversichtlich: „Straßen müssen immer gebaut und repariert werden.“
Historie in Kürze
Die Wurzeln von Vögele reichen bis ins Jahr 1836 zurück. Ulrich Joseph Vögele gründete am 15. Oktober in Mannheim eine eigene Schmiede. Zunächst lag der Fokus auf Produkten für den Eisenbahnverkehr. Ende der 1920er Jahre entwickelte das Unternehmen den ersten Straßendeckenfertiger – der Beginn der Spezialisierung auf den Straßenbau. Heute ist Vögele Teil der Wirtgen Group und gehört zum John-Deere-Konzern.