Mannheim: SV Waldhof - Saisonabschlussinterview mit Bernd Beetz
(Foto: Mj/Archiv) SVW-Präsident Bernd Beetz mit seinem Fazit zur vergangenen Saison

Mannheim: SV Waldhof - Saisonabschlussinterview mit Bernd Beetz

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Der Pokalsieg im bfv-Rothaus Pokal zum Abschluss – man kann schon sagen, dass das der wichtigste Sieg der Saison war, oder?
Das ist definitiv der Fall. Nachdem wir in den vergangenen drei Jahren nicht einmal das Halbfinale erreichen konnten, war es für uns oberste Prämisse, den Landespokal zu gewinnen. Sowohl sportlich als auch wirtschaftlich ist die Teilnahme am DFB-Pokal sehr wichtig. Unsere Auftritte im DFB-Pokal waren stets ein Highlight und haben gezeigt, dass wir eben auch mal einen Großen ärgern können. Dementsprechend bin ich sehr glücklich über den Sieg im Stadtderby.

In der 3. Liga steht am Ende ein 10. Tabellenplatz. Wie fällt dein Fazit aus?
Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass wir nach zwei ganz schwachen Jahren die gesamte Saison über nie etwas mit dem Abstiegskampf zu tun hatten. Das ist grundsätzlich erst einmal eine gute Nachricht. Über die gesamte Saison hinweg hat uns die Konstanz gefehlt, um ganz oben ein Wörtchen mitzureden. Die letzten Wochen in der Liga haben uns allen aber natürlich gar nicht gefallen. Anstatt befreit aufzuspielen, haben wir uns hängen lassen. Das war für mich so nicht verständlich und vor allem haben das unsere treuen Fans nicht verdient.

Es hat von außen wie ein Spannungsabfall gewirkt, oder?
Genau. Nach dem Unentschieden bei 1860 München hat mir bei vielen Spielern einfach die Körpersprache nicht mehr gefallen. Das wirkte dann so, als hätte jemand den Stecker gezogen – dabei ging die Saison noch fast zwei Monate. Da haben wir als Verein kein gutes Bild abgegeben. Zumal es auch viele andere Beispiele in der 3. Liga gibt, wo man das deutlich besser gelöst hat. Hier hatte jeder Spieler die Möglichkeit, sich zu zeigen – das ist aber den wenigstens gelungen.

Eine Geschichte der Saison war die Causa Okpala in der Winterpause. Wie hast du das Thema gesehen?
Zunächst einmal möchte ich das Gerücht ausräumen, dass es im Sommer bereits ein Angebot aus der 1. Liga gegeben hat. Klar hat Kenny auf sich aufmerksam gemacht und Interesse geweckt. Aber es war nie so, dass wir ein konkretes Transferangebot auf dem Tisch hatten. Ich war früh ein großer Fan von Kenny. Als Spieler aus dem eigenen Nachwuchs hat er früh auf sich aufmerksam gemacht und sich seine Spielzeit verdient. Gerne hätten wir ihn langfristig an den Verein gebunden.
Die Winterpause wurde dann in der Tat etwas turbulent – unter anderem durch eine so nicht kommunizierte Ausstiegsklausel bei einer früheren Vertragsanpassung. Es ist sehr schade, dass sich Kenny für einen anderen Weg entschieden hat. Dennoch bin ich weiterhin ein großer Fan von ihm und drücke ihm die Daumen. Wenn wir es künftig wieder häufiger schaffen, dass Spieler aus dem Nachwuchs den Weg in den Profifußball finden, dann machen wir in diesem Bereich vieles richtig.

Zum Saisonende hat sich nun auch ergeben, dass es im Kader einen kleinen Umbruch geben könnte. Dabei sagst du selbst, dass dir Kontinuität wichtig ist.
Das ist grundsätzlich auch so. Was mir aber noch wichtiger ist, sind Spieler, die dafür brennen, mit der Raute auf der Brust alles zu geben. Wenn ein Spieler auf uns zukommt und nicht dazu bereit ist, dann muss man eben eine Lösung finden. Schaut man auf den Verein, die Stadt und unsere Fans, dann sieht man doch, was für ein toller Verein wir sind. Und man sieht ja auch immer wieder, dass sich Spieler damit sehr gut identifizieren können.
Das Potenzial bei uns ist vorhanden, davon bin ich vollends überzeugt. Wir brauchen einfach wieder mehr Teamplayer und Spieler, die andere auf dem Feld besser machen können. Wenn wir das schaffen, dann werden wir auch wieder erfolgreicheren Fußball spielen.

Die Personalie Thorsten Weck hat im Umfeld für Aufsehen gesorgt. Was kannst du uns dazu sagen?
Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Schlüsse gezogen haben und vor allem interne Abläufe klarer definieren konnten. Das war uns allen sehr wichtig.
Ein Wort zur Person möchte ich trotzdem noch verlieren: Thorsten hat mit seinem Engagement im vergangenen Jahr dazu beigetragen, dass der Abstieg vermieden wurde und vor allem Anregungen zur wesentlichen Struktur gegeben. Diese Leidenschaft und damit verbundene Kontakte schätze ich sehr.

Du sprichst die Zukunft an – Luc Holtz wird den Verein verlassen.
Genau. Luc hat uns mitgeteilt, dass er seinen Vertrag zum Saisonende auflösen möchte. Ich denke, wir haben Luc eine gute Möglichkeit gegeben, sich wieder im Vereinsfußball zu etablieren. Dass ein Trainer dadurch auch Aufmerksamkeit auf sich zieht, kann passieren. Und hier sehe ich es wie bei den Spielern: Wenn jemand nicht für die Aufgabe beim Waldhof brennt, dann muss man sich eben verändern. Dennoch wünsche ich Luc für seine Zukunft alles Gute.

Die Trainerpersonalie wird nun auch für die neue Saison wieder eine ganz entscheidende sein, oder?
Ganz klar. Die 3. Liga ist schon auch eine Trainerliga. Oft entscheiden sich Spiele und ganze Saisons in Nuancen. Hier bin ich der Überzeugung, dass der Trainer eine absolut entscheidende Rolle einnimmt. Ich erwarte von der sportlichen Führung, einen Trainer zu finden, der aus den Spielern eine echte Mannschaft formen kann.
In einem gesunden Teamgefüge wird es einen solchen Spannungsabfall wie in dieser Saison nicht geben. Wir werden eine schlagkräftige Mannschaft beisammenhaben, die Spiele gewinnen kann. Um aber wirklich eine erfolgreiche Saison spielen zu können, müssen wir alle an unsere Leistungsgrenzen kommen.

Wie siehst du die aktuellen Entwicklungen im Nachwuchs?
Zunächst einmal möchte ich der U17 gratulieren. Nach einer tollen Hinrunde in der Oberliga hat man sich auch in der DFB-Nachwuchsliga behauptet und am Ende einen starken zweiten Platz erreicht. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Seit vier Jahren versuchen wir den Vorgaben für ein Nachwuchsleistungszentrum zu entsprechen. Jeder weiß, wie wichtig mir unser Nachwuchs ist und daher möchte ich unbedingt die notwendigen Bedingungen schaffen. Heute kann ich sagen, dass wir uns hier auf der Zielgeraden sehen. Wir haben noch ein paar Kleinigkeiten anzupassen und dann hoffen wir, dass wir das grüne Licht vom DFB erhalten.

Das Interview führte Pressesprecher Yannik Barwig