Mannheim: SV Waldhof – TSV Alemannia Aachen 2:1
(Foto: Mj) Die Choreografie auf der OST leitete eine denkwürdige Partie ein

Mannheim: SV Waldhof – TSV Alemannia Aachen 2:1

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Waldhof rehabilitiert sich und gewinnt dank Terrence Boyd enge Partie gegen Aachen
(GM) Rückstand, Ausgleich, Führung; Rudelbildung kurz vor der Pause, Gelbe Karten für Spieler und Rote Karten für Offizielle, jeweils beider Mannschaften, und am Ende ein knapper, verbissen erkämpfter Sieg für den SV Waldhof – die 12.142 Zuschauer erlebten am Sonntagnachmittag im Carl-Benz-Stadion eine Partie, die mit „abwechslungsreich“ oder „spannend bis zum Schluss“ nur unzureichend beschrieben wäre.

Da, die in der letzten Woche noch gesperrten Spieler, wieder zur Verfügung standen, war klar, dass es gegenüber der Partie gegen den VfB Stuttgart II beim Waldhof eine deutlich veränderte Startaufstellung geben würde. Klünter und Hoffmann rückten wieder in die Abwehr, zudem standen Diakhaby, Masca, Sietan und erstmals Mendes bei Anpfiff auf dem Platz, dafür blieben Abifade, Asallari, Michel, Rieckmann Thalhammer und Thill draußen.

Beide Teams starten schwungvoll in die Partie, haben auch Torannäherungen, aber zunächst ohne nennenswerte Chancen. Doch wie aus dem Nichts geht Aachen in der 10. Minute in Führung. Einen Eckball von Gaudino kann die Waldhöfer Abwehr nicht entscheidend klären, Loune zieht kurz vor der Strafraumgrenze flach ab, der Ball wird abgeblockt, fliegt zu Wiebe, der volley auf Schroers weiterleitet, der den Ball an Nijhuis vorbei legt; Hoffmann will in höchster Not klären, steht aber so ungünstig, dass er sich dabei selbst anschießt und ins eigene Tor trifft, zum 0:1.

Und auch die nächste gefährliche Szene gehört den Gästen – erneut nach einem Eckball, den Waldhof nur auf Kosten einer weiteren Ecke klären kann, die aber ebenfalls folgenlos bleibt (15.). Die Alemannia ist in dieser Phase die spielbestimmende Mannschaft, der Waldhof tut sich noch schwer, so richtig ins Spiel zu finden. In der 25. Minute tankt sich Diakhaby über die rechte Seite in den Aachener Strafraum, geht im Zweikampf zu Boden, spielt zwar im Liegen den Ball noch ab und rappelt sich schnell wieder auf, dennoch zeigt der Unparteiische Diakhaby wegen einer Schwalbe die Gelbe Karte. Sicher keine falsche Entscheidung, trotzdem etwas kleinlich, da Diakhaby sofort wieder aufgestanden war und weitergespielt hatte.

Aachen lässt weiterhin nichts zu und hätte die Führung nach einer guten halben Stunde fast ausgebaut, als – erneut nach einem Eckball – Wiebe volley abzieht, aber das Waldhöfer Tor nur ganz knapp verfehlt (33.). Erst gegen Ende der ersten Halbzeit ist der Waldhof etwas besser im Spiel und hat in der 39. Minute eine gute Möglichkeit zum Ausgleich, als nach einem Eckball Aachens Torhüter Riemann zu kurz abwehrt und Ogbemudia zum Kopfball kommt, aber den Ball über das Tor setzt. Der Aachener Gegenzug wird abgewehrt und die Gastgeber schalten schnell um. Ferati zündet im Mittelfeld den Turbo, setzt mit einem präzisen Pass Lohkemper in Szene, doch der Waldhof-Torjäger schießt frei vor dem Tor den Ball Riemann direkt in die Arme (40.).

Direkt danach signalisiert Lohkemper, dass er sich bei dieser Aktion verletzt hat und behandelt werden muss. Schnell ist klar, dass es nicht mehr weitergeht; Terrence Boyd macht sich warm und kommt in der 42. Minute aufs Feld. Wenig später pfeift Schiedsrichter Eckemann zur Halbzeit und plötzlich wird es turbulent. Bagkalianis stößt Ferati um, Mendes kommt hinzu und wird von einem anderen Aachener ebenfalls umgestoßen. Ein Rudel bildet sich, in das mehrere Spieler beider Teams involviert sind, dazu stürmen Aachener und Waldhöfer Betreuer und Aachens Trainer Selimbegovic auf den Platz. Es dauert minutenlang, bis die Szene aufgelöst wird und am Ende kassieren die Aachener Bagkalianis und Gaudino die Gelbe Karte, ebenso Waldhofs Mendes. Da die Diskussionen offenbar im Spielertunnel weitergehen, sehen Selimbegovic und SVW-Geschäftsführer Zuber auch noch die Rote Karte wegen unsportlichem Verhalten.

Die zweite Halbzeit beginnt der Waldhof mit frischem Personal; Masca und Mendes bleiben draußen; Abifade und Bierschenk sind nun neu in der Partie. Selimbegovics Co-Trainer Trenz steht nun bei der Alemannia in der Coachingzone.

Gleich zu Beginn des zweiten Spielabschnitts zeigt der Waldhof deutlich mehr Präsenz und kommt bereits in der 51. Minute zum Ausgleich. Abifade setzt sich auf der linken Seite mit Tempo durch, spielt diagonal in den Strafraum zu Boyd, der sich den Ball direkt bei der Annahme mit rechts zurechtlegt, sofort mit links abzieht und in die kurze Ecke trifft – 1:1. Die Fans auf der OST-Tribüne, die einmal mehr vor dem Anpfiff eine tolle Choreografie geboten hatten, feiern den Treffer frenetisch, umso mehr, als Boyd zum Jubeln auf den Zaun springt, wofür er auch prompt die Gelbe Karte gezeigt bekommt (52.).

Doch es kommt noch besser. Nur fünf Minuten nach dem 1:1 flankt Ferati hoch in den Aachener Strafraum, Boyd ist erneut zur Stelle und köpft aus kurzer Distanz zum 2:1 ein. Der Waldhof hat das Spiel gedreht und der Geräuschpegel im Carl-Benz-Stadion steigt gewaltig an.
Doch wenige Minuten später hat der Waldhof Riesenglück, als nach einem Foul von Abifade, hart an der Strafraumgrenze, Gindorf den anschließenden Freistoß an die Oberkante der Querlatte setzt (63.). Direkt danach geht Diakhaby, der ein großes Laufpensum absolviert hatte, vom Platz und wird durch Michel ersetzt (64.).

Nachdem der Waldhof klar die erste Viertelstunde des zweiten Spielabschnitts bestimmt hatte, kann Aachen das Spiel danach wieder ausgeglichen gestalten und drängt auf den Ausgleich. Doch urplötzlich hat der Waldhof die Chance auf das 3:1. Nach einem klasse Angriff über Bierschenk und Ferati, kommt der Ball auf die linke Seite zu Abifade, dessen harte Hereingabe der heranstürmende Boyd nur um Haaresbreite verpasst (71.). In der Folge bringen beide Trainer frische Spieler aufs Feld. Sillah und Oehmichen ersetzen bei Aachen Schroers und Wagner (71.) und kurz darauf kommt auch noch Castelle für Wegmann (78.), während beim Waldhof Sietan Platz macht für Kryeziu (79.).

Eine heiße Schlussphase bricht an. Aachen drängt, der Waldhof hat mehrere Gelegenheiten zum Kontern. Mehrmals liegt der Ausgleich für Aachen in der Luft, mehrmals die endgültige Entscheidung für den Waldhof. 82. Minute: Castelle köpft nach einem Eckball knapp über das Tor. 85. Minute, Waldhof kontert mit Boyd, der erst im letzten Moment ausgebremst werden kann. Im direkten Gegenzug grätscht Klünter mit klasse Timing dem frei durchlaufenden Sillah den Ball vom Fuß.

Die Alemannia setzt jetzt alles auf eine Karte und wechselt noch einmal doppelt. Elekwa und der Ex-Waldhöfer Sulejmani kommen für Wiebe und Loune (86.). Und prompt hat in der 88. Minute Sulejmani die Chance zum Ausgleich, doch sein Kopfball wird auf der Linie von Abifade geklärt (88.). Eine Minute zuvor hatte Bierschenk nur das Außennetz getroffen.

Dann werden sechs Minuten Nachspielzeit angezeigt – Aufstöhnen im Carl-Benz-Stadion. Erneut bekommt Sulejmani eine Chance; sein Schuss wird aber abgeblockt (90.+2), der Waldhof kontert über den schnellen Abifade, der Aachens weit aufgerückten Torhüter Riemann überläuft, nach innen spielt, aber nur den Pfosten trifft; der anschließende Treffer wird wegen einer Abseitsstellung einkassiert. Zwei Minuten vor dem Abpfiff gibt es noch einmal Freistoß für Aachen, der kommt herein, Nadjombe kommt zum Schuss, doch Nijhuis ist da und begräbt den Ball unter sich (90.+5). Wenig später pfeift Schiedsrichter Eckermann das Spiel ab. Nach fünf Spielen ohne Niederlage geht Aachen wieder einmal als Verlierer vom Platz, der Waldhof hat nach dem schwachen Auftritt gegen VfB Stuttgart II eine gute Reaktion gezeigt und rutscht hoch auf Platz 9.

Trotzdem will Trainer Luc Holtz von neuen Zielen nichts hören. „Wir haben heute drei wichtige Punkte für den Klassenerhalt geholt“, stellte er nach dem Spiel fast nüchtern fest. Bereits am kommenden Mittwochabend geht es in der 3. Liga weiter, dann ist der Waldhof zu Gast bei Rot-Weiß Essen.

SV Waldhof – TSV Alemannia Aachen 2:1 (0:1)
Waldhof: Nijhuis - Klünter, Hoffmann, Ogbemudia, Ba, Mendes (46. Abifade), Sietan (79. Kryeziu), Ferati, Diakhaby (64. Michel), Masca (46. Bierschenk), Lohkemper (42. Boyd)
Aachen: Riemann - da Silva Kiala, Wegmann (78. Castelle), Bagkalianis, Nadjombe, Gaudino, Wiebe (86. Elekwa), Wagner (71. Oehmichen), Loune (86. Sulejmani), Gindorf, Schroers (71. Sillah)
Tore: 0:1 Hoffmann (10. ET), 1:1 Boyd (51,), 2:1 Boyd (56.); Schiedsrichter: Marc Philip Eckermann; Zuschauer: 12.142; besondere Vorkommnisse: Rote Karte für Selimbegovic (Aachen) und für Gerhard Zuber (Waldhof), wegen unsportlichen Verhaltens