Mannheim: Der neue VIP-Raum im Carl-Benz-Stadion - mehr Ärgernis als gelungen
(Foto: Mj) Waldhof-Kulttrainer Klaus Schlappner. Oder doch nicht?

Mannheim: Der neue VIP-Raum im Carl-Benz-Stadion - mehr Ärgernis als gelungen

(GM) Über Kunst sollte man bekanntlich nicht streiten. Das Auge des gestaltenden Künstlers sieht sein Werk oft völlig anders, als das des unbedarften Betrachters, der sein Kunstverständnis höchstens mittels gelegentlicher Museumsbesuche erworben hat.

Trotzdem haben auch viele Nichtkünstler einen Blick fürs Ästhetische und können zumindest bewerten, ob die bildliche Darstellung einer realen Person dem Original ähnlichsieht oder nicht. Vielleicht kann man die Porträts früherer Waldhof-Legenden, die auf zahlreichen Stromkästen in Mannheim zu sehen sind, nicht unbedingt als große Kunst bezeichnen, aber einen gewissen künstlerischen Wert wird man ihnen nicht absprechen. Vor allem: ob Günter Sebert, Otto Siffling, Albert Brückl, Karl-Heinz Bührer oder – ja – auch Fritz Hoffmann. jeder Fan der Blau-Schwarzen kann die Waldhofgrößen problemlos erkennen.

Was aber mit Waldhof-Kulttrainer Klaus Schlappner, im neu gestalteten VIP-Raum, der früher einmal Domizil des CEG war, gemacht wurde, hat – der Verursacher möge verzeihen – weder etwas  mit Kunst noch mit realer Darstellung etwas zu tun. Auch wenn die Gestalter möglicherweise stolz auf ihr Werk sind, ist dieser Raum alles andere als gelungen, um es nicht ganz so hart auszudrücken. Das Porträt von Klaus Schlappner wird der Waldhof-Legende in keiner Weise gerecht. Selbst bei einer Karikatur, die ja charakteristische Merkmale bewusst überzeichnet, muss die gezeigte Person erkennbar sein. Bei der Abbildung im neuen VIP-Raum kann man jedoch, auch mit noch so viel Phantasie – und trotz des berühmten Pepitahuts - Klaus Schlappner kaum erkennen. Man kann von Glück sagen, dass sich „Schlappi“ derzeit in China aufhält und noch nicht weiß, wie man sich an ihm vergangen hat, aber es ist zu befürchten, dass, wenn er jemals diesen Raum betreten wird, wahrscheinlich das dringende Bedürfnis bekommt, einen Eimer Farbe über sein Konterfei zu schütten.

Vielleicht haben es die Raumgestalter ja tatsächlich gut gemeint, aber etwas gut meinen, ist etwas völlig anderes als etwas gut machen. Auf dem Boden des Raumes sind auch Zitate früherer deutscher Fußballgrößen nachzulesen. Zum Beispiel von Andy Möller: „Vom Feeling her hatten wir ein gutes Gefühl“ oder vom inzwischen zum Chef-Nörgler mutierten Mario Basler: „Ich grüße meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern“ und auch der ehemalige Leverkusener Nationalspieler Thomas Brdaric kommt zu. Dazu kommt noch ein Zitat von Bobby Robson, dem früheren englischen Nationaltrainer.

Was das mit dem SV Waldhof zu tun hat? Keine Ahnung. Es fällt wirklich schwer, nach dem begeisternden Saisonauftakt und dem Sieg gegen Fortuna Düsseldorf, nun doch wieder mit etwas Kritischem um die Ecke zu kommen, zumal wenn man selbst überzeugter Fan des SV Waldhof ist. Aber was mit dem ehemaligen „Wohnzimmer“ unserer Ehrenmitglieder gemacht wurde, kann einfach nicht unkommentiert bleiben. Lediglich den Fotos an der Wand des Flurs, die unter anderem Otto Siffling und Karl-Heinz Bührer in Aktion zeigen, kann man etwas abgewinnen.

Nicht genug, dass man die treuesten Waldhöfer, mit den bereits genannten Legenden, die zusammen mit anderen Ehrenmitgliedern über 5.000 (!) Mitgliedsjahre auf sich vereinen, einfach rausschmeißt, nein, man nennt dann auch noch diesen Raum – unsensibel und stillos – „Legenden Lounge“. Unfassbar. Das zeugt von absolutem Desinteresse an der Historie und von fehlendem Respekt gegenüber den größten Spielern und treuesten Mitgliedern des Vereins. Mit ein wenig Nachdenken, plus einem Funken Sensibilität, und möglicherweise unter Einbeziehung von „echten Waldhöfern“, wäre man ganz sicher zu einem anderen Ergebnis gekommen. So aber kam etwas heraus, auf das zwar die Macher sicher sogar noch stolz sein werden, das aber bei den Legenden und der Mehrheit der Fans des SV Waldhof nur Kopfschütteln hervorruft – und das zu Recht.