Mannheim: SV Waldhof – SV Wehen Wiesbaden 1:0

Mannheim: SV Waldhof – SV Wehen Wiesbaden 1:0

Autofahne Kopie CopyTerrence Boyd entscheidet dank seines Torriechers die Partie
(GM) Mit 1:0 gewann der SV Waldhof eine, über weite Strecken, wenig begeisternde Partie und schiebt sich durch den Sieg – zumindest vorerst – hoch, auf Platz 9. Gäbe es in Drittligaspielen einen „Man oft the Match“, dann hätte diesen Titel Terrence Boyd verdient. Der 34-Jährige lieferte nicht nur ein großes Laufpensum ab, und war sich auch fünf Minuten vor dem Abpfiff nicht zu schade, seinem Gegenspieler hinterher zu rennen, um in Höhe des eigenen Strafraums den Ball ins Aus zu klären, sondern markierte auch den einzigen Treffer des Spiels, auf eine Art und Weise, wie es nur einem echten Torjäger gelingen kann.

Gegenüber dem letzten Spiel vor der Länderspielpause musste Waldhof-Trainer Luc Holtz seine Startelf gleich auf sechs Positionen verändern. Für Ferati und Lohkemper, die ihre Verletzungen nicht rechtzeitig auskurieren konnten sowie für Masca, Rieckmann, Michel und Karbstein, standen Sechelmann, Sietan, Iwe, Diakhaby, Yigit und eben Terrence Boyd bei Anpfiff auf dem Platz, der sich nicht in besonders gutem Zustand präsentierte, da in der Nacht die Rasenheizung ausgefallen war.

Trotzdem starten beide Mannschaften offensiv in die Partie und bereits in der 5. Minute hat der Waldhof die erste gute Gelegenheit, nachdem sich Abifade gut durchgesetzt und abgezogen hatte; sein Schuss bleibt in der Gästeabwehr hängen, der Ball landet bei Sietan, dessen Abschluss wird gerade noch abgeblockt.

Den ersten Aufreger gab es in der 10. Minute, als Boyd energisch in einen Zweikampf mit Kiomourtzoglou geht und der Wiesbadener sich anschließend auf dem Boden wälzt, obwohl es keinen Körperkontakt gegeben hatte. Schiedsrichter Eckermann ließ sich nicht täuschen und sah ebenfalls keinen Grund, den Waldhöfer zu verwarnen und Kiomourtzoglou erhob sich auch schnell wieder, ohne sichtbare Probleme. Nur eine Minute später lag Suarez auf dem Boden. Offensichtlich hatte sich der Wiesbadener ohne gegnerische Einwirkung das Knie verdreht – nach kurzer Behandlung steht fest: es geht nicht weiter, für Suarez kommt in der 15. Minute Fechner ins Spiel.

In der Folge entwickelt sich eine umkämpfte Partie mit vielen Zweikämpfen, die sich jedoch vorwiegend im Mittelfeld abspielt. Früh holt sich Wiesbadens Lewald die Gelbe Karte ab, als er den quirligen Okpala beim Kopfballduell mit dem Ellenbogen trifft (15.). Zwei Minuten später hat der Waldhof eine weitere gute Chance, durch Sechelmann, der nach einem Freistoß von Diakhaby, und unzureichender Wiesbadener Kopfballabwehr, den Ball per Aufsetzer aufs Tor bringt, doch SVWW-Torhüter Brdar reagiert klasse und entschärft den Schuss (17.).

Dann holen sich auch Okpala und May Gelbe Karten ab, nachdem sie ein paar Nettigkeiten ausgetauscht hatten (20.). Kurz darauf haben auch die Gäste ihre erste Tormöglichkeit, nach einer Flanke von Gözüsirin, als Lewald und Agrafiotis den Ball knapp verfehlen (22). Wenig später der nächste Ausfall bei Wehen Wiesbaden. Diesmal ist es Kiomourtzoglou, der offensichtlich Probleme am linken Oberschenkel hat, es nach kurzer Behandlung zwar noch einmal probiert, aber dann doch runter muss. Für ihn kommt Hübner neu in die Partie (28.).

Das Geschehen verflacht jetzt merklich. Beim Waldhof geht inzwischen die größte Gefahr von Kennedy Okpala aus, der die Gästeabwehr mit seinen Dribblings immer wieder vor Probleme stellt. Terrence Boyd, der kaum verwertbare Flanken bekommt, lässt sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen, macht Zuspiele fest und verteilt die Bälle auf die Flügel, um dann wieder in die Spitze zu gehen. Gegen Ende der ersten Halbzeit bestimmt der Waldhof weitgehend das Geschehen, ohne sich jedoch zwingende Chancen zu verarbeiten. Bis zur Pause blieb es beim torlosen Unentschieden, mit dem Wehen Wiesbaden etwas zufriedener sein kann als der Waldhof.

Zum zweiten Spielabschnitt bleibt beim Waldhof Seyhan draußen und macht Platz für Shipnoski. Beide Teams bleiben zwar offensiv, aber spielerisch wird die Partie nicht besser. Und wie aus dem Nichts hat Wehen Wiesbaden die Riesenchance zum 0:1. May flankt von der linken Seite nach innen, Agrarfiotis legt – mit etwas Glück - quer auf Gözüsirin, der fast vom Elfmeterpunkt frei zum Schuss kommt, aber in Nijhuis seinen Meister findet. Der Waldhöfer Torhüter taucht reaktionsschnell ab und fischt den Ball von der Torlinie (56.). Riesenglück für den Waldhof, eine Wiesbadener Führung hätte allerdings dem Spielverlauf nicht entsprochen.

Mit zunehmender Spieldauer drängt der Waldhof immer stärker auf die Führung, doch noch fehlt die zündende Idee. In der 66. Minute kommt mit Rieckmann für Iwe noch ein frischer Spieler aufs Feld und eine Minute später bringt ein satter Distanzschuss von Diakhaby Brdar zwar leicht in Verlegenheit, aber den Einschlag kann der Wiesbadener Keeper verhindern (67.). Doch dann darf im Carl-Benz-Stadion doch gejubelt werden. Erneut ist es Okpala, der sich auf der linken Seite mit Tempo durchsetzt, den Ball flach nach innen bringt und noch ehe Brdar eingreifen kann, spritzt Boyd gedankenschnell dazwischen und spitzelt den noch leicht abgefälschten Ball mit dem Außenrist über die Linie – zur Waldhöfer Führung, die so wohl nur der 34-Jährige, mit seinem Torriecher und all seiner Erfahrung erzielen konnte (71.).

Die Gäste reagieren umgehend und wechseln kurz darauf gleich dreifach (76.). Doch die nächste Chance hat wieder der Waldhof, erneut inszeniert von Okpala und erneut abgeschlossen von Boyd, der dieses Mal aber knapp am Tor vorbeischießt (78.). Und eine Minute später kommt Boyd auf der linken Seite erneut zum Schuss, doch Brdar macht sich lang und kann den Ball nach der Seite abwehren (80.). Wehen Wiesbaden bemüht sich zwar um den Ausgleich, kann aber kaum Gefahr entwickeln – bis zur ersten Minute der vierminütigen Nachspielzeit, als nach einem Eckball von Lewald, der sträflich freistehende May aus kürzester Distanz, am langen Pfosten vorbeiköpft (91.).

Wild wurde es dann noch einmal in der 93. Minute, als Nijhuis einen Kopfball von Lewald unter sich begräbt, aber Hübner übermotiviert nachsetzt und den Waldhöfer Torhüter am Kopf trifft. Als Hoffmann den Wiesbadener dafür verbal attackiert, stürmen gleich fünf (!), Gästespieler auf den Waldhöfer ein. Schiedsrichter Eckermann hat aber alles im Griff, klärt die Situation und zeigt Hübner folgerichtig die Gelbe Karte. Nach einem letzten Freistoß für Wehen Wiesbaden, der jedoch nichts einbringt, ertönt der Schlusspfiff.

Nach zwei Niederlagen, vor der Länderspielpause, gewinnt der Waldhof verdient, aber Luc Holtz wird mit dem Ergebnis zufriedener sein, als mit dem Spiel seiner Mannschaft.

In der nächsten Woche geht es für den SV Waldhof zum 1.FC Schweinfurt 05.

SV Waldhof Mannheim – SAV Wehen Wiesbaden 1:0 (0:0)
Waldhof: Nijhuis - Klünter, Hoffmann, Sechelmann, Yigit (46. Shipnoski), Diakhaby, Sietan, Abifade, Iwe (66. Rieckmann), Boyd, Okpala
Wehen Wiesbaden: Brdar - Lewald, Kiomourtzoglou (28. Hübner), Gillekens, Wohlers (76. Schleimer), May, Suarez (15. Fechner), Gözüsirin (76. Flotho), Johansson, Agrafiotis (76. Bogicevic), Kaya
Tor: 1:0 Boyd (71.); Schiedsrichter: Marc Philip Eckermann; Zuschauer: 17.406