Logo RNK
RNK

Rhein-Neckar-Kreis: Warum fehlende Gewerbeflächen zum Problem für die ganze Region werden

 

Unternehmen wollen wachsen, Kommunen brauchen Einnahmen und gleichzeitig werden Flächen für Wohnen, Natur- und Klimaschutz benötigt. Im zweiten Teil ihrer Serie zeigt die Wirtschaftsförderung des Rhein-Neckar-Kreises, warum der Wettbewerb um verfügbare Flächen zunehmend zur Standortfrage wird.

Rhein-Neckar-Kreis. Die Metropolregion Rhein-Neckar gehört zu den wirtschaftlich starken Regionen Deutschlands. Doch ihr Wachstum stößt buchstäblich an Grenzen: Verfügbare Gewerbeflächen sind knapp. Eine Studie des Verbands Region Rhein-Neckar aus dem Jahr 2019 prognostizierte bis 2035 ein Defizit von knapp 500 Hektar Gewerbefläche in der Metropolregion. Der Rhein-Neckar-Kreis gehörte dabei zu den Kreisen mit besonders hohem Bedarf.

Auch wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung seitdem abgeschwächt hat, bleibt das grundsätzliche Problem bestehen. Viele Unternehmen suchen weiterhin geeignete Grundstücke für Produktion, Lager, Logistik oder Erweiterungen.

Wachstum scheitert mitunter am fehlenden Platz

Besonders Industrie- und Handwerksbetriebe benötigen häufig größere zusammenhängende Flächen mit guter Verkehrsanbindung. Wie schwierig die Suche sein kann, zeigt das Beispiel eines mittelständischen Familienunternehmens aus Wiesloch. Dessen Geschäftsführer sucht nach eigenen Angaben bereits seit Jahren nach einer geeigneten Gewerbe- beziehungsweise Produktionsfläche von rund 6.000 Quadratmetern.

„Weil uns die Fläche fehlt, mussten wir in den vergangenen Jahren verschiedene Wachstums- und Automatisierungsschritte zurückstellen.“

Benötigt werde der zusätzliche Platz unter anderem zur Modernisierung der Produktionsanlagen, für effizientere Logistik sowie bessere Lager- und Sozialflächen. Auch zusätzliche Produktionskapazitäten und Lösungen für den bundesweiten Vertrieb könnten am bisherigen Standort nur eingeschränkt umgesetzt werden.

Die Region verlassen möchte das Unternehmen dennoch nicht. Die Entwicklungspläne würden weiterverfolgt, die größte Herausforderung bleibe jedoch eine Fläche, die produktionstechnisch und wirtschaftlich geeignet ist.

Fehlende Gewerbeflächen treffen auch die Kommunen

Die Folgen reichen weit über einzelne Unternehmen hinaus. Können Betriebe nicht expandieren, investieren sie möglicherweise weniger am Standort oder wandern im ungünstigsten Fall ab. Für Städte und Gemeinden kann das erhebliche finanzielle Konsequenzen haben.

„Die Gewerbesteuer ist eine der wichtigsten Einkommensquellen für Kommunen und wird direkt von den Unternehmen vor Ort erhoben“, erklärt Dorothee Wagner, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Rhein-Neckar-Kreises.

Hinzu kommt der kommunale Anteil an der Einkommensteuer. Arbeitsplätze, Einwohner und Einkommen beeinflussen damit ebenfalls die finanziellen Möglichkeiten einer Kommune. Eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung kann nach Darstellung der Wirtschaftsförderung letztlich weniger Spielraum für Infrastruktur, Schulen oder Vereine bedeuten.

Immer mehr Interessen konkurrieren um dieselben Flächen

Gleichzeitig müssen die Kommunen Wohnraum schaffen und Freiflächen schützen. Zusätzlichen Flächenbedarf verursachen unter anderem Rechenzentren, Logistik und große Warenlager des Onlinehandels. Auch Energiewende und Klimaanpassung benötigen Raum. Photovoltaik- und Windkraftanlagen beanspruchen ebenso Flächen wie Überschwemmungsgebiete, die für den Hochwasserschutz freigehalten werden müssen.

Nach Einschätzung der Wirtschaftsförderung führen der Klimawandel und die zunehmende Konkurrenz um verbliebene Flächen zudem zu intensiveren Diskussionen und teilweise langwierigen Abstimmungsprozessen. Entwicklungen könnten sich dadurch verzögern oder ganz verhindert werden.

Ein weiteres Problem können vorhandene, aber nicht effektiv genutzte Flächen darstellen. Nach Angaben von Dorothee Wagner komme es beispielsweise vor, dass Grundstücke oder Hallen aus Spekulationsgründen länger leer stehen oder Gewerbeflächen wenig effizient genutzt werden.

Die Flächenfrage wird zur Standortfrage

Damit entsteht ein schwieriger Balanceakt: Wirtschaftliche Entwicklung braucht Raum, gleichzeitig müssen Wohnungsbau, Landwirtschaft, Klimaschutz, Energieversorgung und Natur berücksichtigt werden. Für die Kommunen geht es dabei nicht allein um neue Gewerbegebiete, sondern um Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und langfristige finanzielle Handlungsmöglichkeiten.

Wie dieser Balanceakt gelingen kann und welche Lösungsansätze bereits verfolgt werden, erläutert die Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Rhein-Neckar-Kreises im dritten Teil der Serie: „Wir lösen das!“

Bildinformation: Blick auf einen Teil des erweiterten Industriegebiets in Edingen-Neckarhausen. Aufnahme vom 22. Mai 2025. Quelle: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis.